Zeetah´s Page
Cappuccino creativo
Im letzten Urlaub war ich mit meinen Menschen ungarisch essen, und als
- wenn auch leider minderheitlich - an der ganzen Speisenfolge
Beteiligte kann
ich nur sagen: Futter topp, reichlich und seinen Preis wert. Prima
Gulasch,
feiner Salat, genug Reis. Zum Abschluss bestellte Herrchen noch
Cappuccino, was mich nicht interessierte (Menschengetränke?
pfui!). Ich dachte zwar, man hätte das Futter ja mit etwas
ungarisch-Flüssigem abschließen können, bin da aber
tolerant: sollen sie doch bestellen, was auf der Karte steht. Selbst
bin ich aktive Anhängerin der Multikulinarik und habe meine Nase
in jeder erreichbaren Tasche, zum großen Leidwesen meines
Herrchens.
Der Kellner kam und brachte mit strahlendem Lächeln:
zweimal Latte macchiato, ordentliche Portion, viel Milch, viel Schaum,
ganz zarter Braunton, weil kaum Kaffee, aber ein großes,
formschönes Glas.
Herrchen gab zu bedenken, das sei kein Cappuccino, woraufhin der
Kellner
verblüfft fragte, was denn mit dem Getränk nicht in Ordnung sei? In sich sei es schon in
Ordnung, meinte
Herrchen, es sei halt nur Latte macchiato und nicht Cappuccino. Oh,
sagte der Kellner verblüfft. Er mache den Cappuccino immer so, und
bis jetzt hätte sich noch niemand beschwert. Wie Herrchen ihn denn
gern hätte?
Hier im Haus bereite übrigens jeder den Cappuccino anders zu, und
einer seiner Kollegen, der hätte noch eine ganz besondere Variante
in petto.
Überwältigt von so viel kreativem Charme - vielleicht auch
von seinem Bauchvoll Gulasch -, einigte sich Herrchen
mit dem Kellner letztlich darauf, das Getränk für den Abend
als "ungarischen Cappuccino" durchgehen zu lassen, unter der Bedingung,
dass er beim nächsten Mal wieder einen auf die
klassisch-italienische Art bekäme. Den können sie nämlich
auch, das wussten wir genau, weil wir schließlich nicht zum
ersten Mal dort waren. Der Urlaub ging allerdings vorbei, bevor wir
herausbekamen, was wir bei diesem kreativen Kellner hätten
bestellen müssen, um Cappuccino zu erhalten.
Ich dachte mir, dieser Mann wird seinen Weg machen. Und seine Methodik
ist übertragbar! "Zeetah, Sitz!" Aber gern:
Das ist kein Sitz? Ich sitze immer so. Du solltest mal sehen, wie es
aussieht, wenn du sitzt und fernsiehst!
"Platz und bleib"? Ich gehe eine kleine Runde ums Haus, sehe dort nach
dem
Rechten und bin zurück, wenn du auch zurück bist.
Ihr kleiner weißer Hund hat Angst vor großen schwarzen
Hunden? Ich sehe hier beim besten Willen keinen großen schwarzen
Hund.
"Hunde sind anzuleinen". Klar bin ich anzuleinen. Ich habe ja ein
Halsband um. Und natürlich bin ich gerade nicht angeleint. Wenn
ich bereits angeleint wäre, wäre ich
nicht mehr anzuleinen und hätte gegen die Aussage auf dem
Schild verstoßen. Nur wenn ich nicht angeleint bin, bin ich
anzuleinen.
"Zeetah, hör auf damit!" Hier heißt niemand Zeetah.
Jedenfalls im Moment.
Was bilden diese Zweibeiner sich alles auf
ihre differenzierte und nuancenreiche Sprache ein.
"Die Worte, mit denen du deine Wirklichkeit beschreibst, werden zu
deiner Wirklichkeit", sagt Entertrainer Tony Robbins.
Das heißt: Jeder lebt im eigenen Film. Ist das wahr? Oder nur
Tony´s Truth? Könnt ihr euch auch außerhalb des Kinos
treffen?
Es gibt kein Tier, das sich missverständlich ausdrückt.
Außer diesen irritierenden schwanzwedelnden Katzen
natürlich. Wie die drauf sind - naja. Schlamm drüber.
Kennt ihr übrigens schon meine Freundin Rantschi? Die
erzählt, dass ihr Menschenfreund L. sie immer "Schaf" nennt.
Könnt ihr euch vorstellen, warum?
Spannend ist dabei, dass L.
gegen alle ordentlichen Hunde und Katzen allergisch ist. Nicht aber
gegen Schafe, auch nicht gegen Rantschi. Und Rantschi verträgt
kein Lammfleisch ...