Hast du schon mal mit
der Idee gespielt, dir einen Kleingarten zuzulegen? Du weißt
schon, so eine Parzelle. Wir gehen manchmal durch solche Anlagen, und
ich freue mich immer, wenn die Wege mit "Hunde sind anzuleinen"
beschildert sind und die Gärtner/-innen selbst ihre eigenen
Vierbeiner/-innen frei laufen lassen. Dann kommen noch ab und zu
vergrätzte Radfahrer/-innen vorbei, die die Wege zwischen den
Parzellen mit persönlichen Rennstrecken verwechseln. Sie keuchen
ein "Hund an die Leine!" hervor (zu mehr reichen Zeit & Luftreserve
nicht), weil natürlich gerade dann, wenn sie meinen Weg kreuzen,
aus dem Garten auf der anderen Seite des Weges ein unwiderstehlicher
Katzenduft herüberweht und mich magisch anzieht. Die Leine
wäre in einem solchen Fall zu einer Straßensperre für
die
schlauen Radfahrer/-innen geworden. Und sie hätten sich
langgelegt. Gott sei Dank war ich nicht angeleint! So kann man
einfach bremsen und fertig.
Schön ist, wie sie
schauen - wenn sie Zeit zum Schauen haben - wenn Herrchen zu bedenken
gibt, dass sie selbst doch auch nicht die ganze Zeit im Freien an der
Leine würden verbringen mögen. Hätten wir jedesmal ein
Foto gemacht, könnten wir euch hier eine beeindruckende
Bildergalerie vergrätzt-verständnisloser
Radfahrer/-innen-Gesichtsausdrücke vorführen. Aber was
soll´s: dann probiere ich eben selbst mal, so zu gucken.

Das Schönste an
Kleingartenanlagen sind die öffentlichen Aushänge. Schaut mal
auf diese Tafeln. Sie informieren darüber, wer wann Mist bringt,
wie lange er wo lagert, wer wieviel davon nehmen darf, und was mit dem
Rest passiert, der nicht bis zur Deadline abgeholt wird! Wann getanzt
und wann gegrillt wird. (Nur für Mitglieder! Geräusch und
Geruch sind allerdings für alle.) Welche Parzelle den Besitzer
wechseln möchte. Und ... aber seht selbst. Den schönsten
Aushang habe ich heute gefunden. Herrchen wäre ja bestimmt vorbei
gelaufen, weil er kein Vereinsmitglied ist und etwas von Diskretion
hält, aber es gab an jeder Ecke und Wegkreuzung so einen Aushang
als EyeCatcher (ich übertreibe jetzt, aber nur ein bisschen). Da
muss man schließlich stehen bleiben.
Am 31. Oktober, so lesen
wir da, wird die WC-Entsorgungsanlage geschlossen und das Wasser
für alle abgestellt. (Wir hoffen: nur bis zum Frühjahr. Aber
immerhin.) Außerdem, so lesen wir weiter - und an jeder
Wegkreuzung wieder (leicht übertrieben, aber nur leicht, du
weißt schon) - werden die Schlösser der WC-Entsorgungsanlage
ausgetauscht (wo sich, wie wir vermuten, auch der Haupthahn für
die Wasserversorgung befindet). Gezeichnet: Der Vorstand. Wir hoffen:
es gibt jeweils nur ein Schloss, das eingebaut wird, damit die
Mitglieder in ihre eigenen Anlagen nicht mehr hineinkommen. Und im
Frühjahr gibt es dann das alte Schloss zurück, zu dem alle
die Schlüssel besitzen. Kann sein, stand allerdings nicht da.
Was für
Möglichkeiten für einen Vorstand, der mit seinen
Beschlüssen nicht in die Einsichtsabteilung der Mitgliedergehirne
vordringen kann. Die ihn wohl gewählt haben, damit er
Entscheidungen trifft, die sie freiwillig niemals einhalten
würden, weshalb sie gemeinsam einen Schlosser finanzieren
(müssen), der sie daran hindert, ihre eigenen
Vorstandsbeschlüsse zu unterlaufen ...
Welch ein SPIRIT.
Manchmal wünschte ich, ich könnte das Bein höher heben.
Oder war es die Hand? Egal - ich arbeite dran.
Und übrigens: wie machen es die Kleingärtner in den kommenden
sechs Monaten?